ja zur Markensäge

Warum ein „Markengerät“ kaufen ?

Die soll keine Werbung für die großen Markenhersteller sein, es soll lediglich drauf Hinweisen, das der kauf von „billigem“ (dieses Wort wird an dieser Stelle Bewusst verwendet) Gartengerät absolut unwirtschaftlich und zum Teil auch Lebensgefährlich ist, aber beleuchten wir das Thema mal ein wenig:
Was macht ein Markengerät aus, wie kommen die „hohen“ Preise zustande, warum soll das Markengerät besser sein als eine Noname - Maschine?
Ich hatte in meinem kleinen Artikel auf dieser Homepage schon ein wenig über eine sogenannte
„Chinasäge“ geschrieben, Verarbeitung , Materialwahl und Passgenauigkeit der eigentlich wichtigsten Teile der Säge, mehr schlecht als man vermuten mag.
Fangen wir an mit der Materialwahl:

Noname - Maschine, gekauft beim netten Fliegenden Händler aus dem Kofferraum oder im Internet für ca . 75 Euro .

Starterdeckel, Motorhaube, Verkleidungsteile , Kettendeckel  ->
     P.E.T

Kurbelgehäuse, Motorteile (Alubauteile) ->  grobes unreines, weiches Magnesiumdruckguss zum teil mit
Lunkerstellen (schwarze Flecken im Guss = Schwachstelle oder auch evtl. Auslöser von vorzeitigem Triebwerksschaden), Zylinder schlecht verchromt.

Kurbelwelle, Kolbenbolzen ( Eisen/Stahlteile) ->            
Drehteile, aus zum Teil unterschiedlicher Materialgüte, zum Teil verchromte Lagerstellen    

Schläuche, Gummipuffer, Gummiteile ->
Gummisorten mit überdurchschnittlich hohem Anteil an leicht flüchtigen Weichmachern, die innerhalb von nicht mal 12 Monaten     vollständig ausgedünstet sind und die Gummiteile so brüchig werden lassen.

Kette , Schneidgarnitur ->
günstigste Ausführung Namhafter Hersteller (Schwert) , Kette hat nur die halbe Anzahl an Schneidezähnen wie Normal.

Leistung, Verbrauch, Nachhaltigkeit (Nutzungsdauer) ->
Leistung liegt bei 50ccm in der Regel bei 1,8 PS (tatsächliche gemessene Leistungen 3 Maschinen) , der    Verbrauch (1:25) ist dabei fast doppelt so hoch wie bei vergleichbarer (ccm) Markenmaschine.
Das benötigte Gemisch soll laut Hersteller das mittlerweile ausgestorbene 1:25 sein, hier sei noch einmal erwähnt sein, 1:25 wurde vor Jahren von den Herstellern gefordert, da die 2t Öle noch nicht so Hitze und Druckfest waren, Heute wird aus Umwelt und Gesundheitsschutzgründen , entweder 1:50 oder Fertiggemische (ASPEN, MOTOMIX, RATIOMIX etc) verwendet.
Die Nutzungsdauer oder besser Haltbarkeit, ist nicht besonders hoch, schon nach dem ersten Einsatz, zeigen sich Spuren, die auf ein baldiges dahinscheiden schließen lassen.
Die im Starter eingelassenen Kühlluftschlitze brechen nach und nach, der Kettendeckel hat sich dem Kettenrad angepasst, der kaum sichtbare Kettenfangbolzen ist im laufe der ersten halben Stunde sang und Klanglos verschwunden, der Tankdeckel ist undicht. Somit wären wir dann am nächsten Punkt, wir benötigen Ersatzteile und jemanden der uns diese einbaut.
Bei der suche nach Teilen hilft nur das Internet weiter, ebay etc. somit müssen wir also warten……
Die Händler versprechen Lieferzeiten von 2-3 Tagen bis hin zu 14 Tagen. Dann kommen die Teile und wir wollen diese einbauen, denn einen Fachhändler der diese Maschinen repariert haben wir nicht finden können, nein es liegt nicht daran das der Händler es nicht könnte, oder wollte, es liegt einfach daran, das er es von Rechtswegen nicht darf !
Diese Maschinen sind ohne CE Kennzeichnung, das heisst im Einzelnen, die Maschinen wurden nicht von entsprechenden Stellen geprüft und für Sicher eingestuft. Alle bisherigen Tests und Versuche haben ergeben das es bei diesen Nonamegeräten erhebliche Mängel an den Sicherheitseinrichtungen (sofern vorhanden) gibt:
Kettenbremse ohne Funktion
Vorderer Handgriff so positioniert das man die Kettenbremse nie auslösen könnte
vorderer Handschutz (Auslösehebel) bricht bei betätigen der Bremse ab, oder verbiegt
kein Kettenfangbolzen
keine Anschlagkrallen
Schwertbefestigung ungenügend
Kunststoffteile verziehen sich im Betrieb durch Hitze und schützen so nicht mehr
Stoppschalter ohne Funktion


das sind nur ein paar Beispiele, die aber allesamt in Funktion und Vorhandensein
IHR Leben retten können.
Dann ist noch die Frage nach der Haltbarkeit , wen man die Säge eine Dauertest unterzieht und sich an die Herstellervorgabe hält , ist eine Betriebsstundenzahl von etwa 50 Stunden durchaus denkbar, alles was darüber hinausgeht ist wie ich es beurteilen kann, eher eine reine Glückssache.


Im Vergleich schauen wir uns ein Markengerät an, wir sehen uns das noch ein wenig genauer an, wir nehmen ein Modell aus der 199 Euro Kategorie der Markenhersteller, es gibt diese von den verschiedensten (SOLO, DOLMAR, STIGA, CubCadet, Stihl, Husqvarna, ECHO, EFCO,Makita usw.)
Diese Sägen liegen im Bereich von ca 30-35ccm und etwa 1,8 PS und sind mit Gemisch 1:50 oder eben Sonderkraftstoff zufrieden. Das ist sicher kein Trost, denn wir haben schon 149 Euro mehr ausgegeben als im Internet, dafür mussten wir uns ellenlange Textpassagen vom Fachhändler anhören, haben Antworten auf Fragen bekommen, die Säge wurde uns erklärt, vollgetankt und sogar vorgeführt (das hat der Postbote nicht gemacht, schade) , nun denn wollen wir mal schauen, was uns die Säge denn nun für den Mehrpreis so bietet:

Starterdeckel, Motorhaube, Verkleidungsteile , Kettendeckel ->
hier kommen je nach Hersteller über 50 verschiedene Kunststoffsorten und Mischungen zum Einsatz, je nach Anforderung (Hitzebeständig, zäh, schlagfest, Faserverstärkt etc)

Kurbelgehäuse, Motorteile (Alubauteile) ->
Magnesiumdruckgussteile, feinporig und hochfest, teils gefräst, Kanten entgratet, Zylinder Nicasilbeschichtet (härter und zäher als Chrom, hitzebeständiger)

Kurbelwelle, Kolbenbolzen ( Eisen/Stahlteile) ->            
Kurbelwellen zum Teil geschmiedet mit oberflächenvergüteten Lagerstellen (Kurbelwelle und Kolbenbolzen sind dadurch im Gewissen Grad „biegsam“ und brechen nicht, Oberflächenhärtung vermindert den Verschleiß)

Schläuche, Gummipuffer, Gummiteile ->
Schläuche und Gummiteile mit höherem Kautschukanteil, hierdurch werden flüchtige Weichmacher  recht gering in den Gummimischungen ( weniger Weichmacher bedeutet längere Haltbarkeit und eine größere Widerstandsfähigkeit gegen Öl und Benzin)


Kette , Schneidgarnitur ->
zum Teil aus eigener Fertigung (Stihl) sonst Erstausrüstung von Namhaften Herstellern (Oregon, Carlton) in der Regel volle Belegung mit Schneidezähnen  (im Bereich der 199 Euro Sägen mit 3/8 Hobby (Pico) und 1,1mm Treibgliedstärke)  Zumeist Rückschlagarme Schneideinrichtung.

Leistung, Verbrauch, Nachhaltigkeit (Nutzungsdauer) ->
hier schauen wir uns die 199 Euro Säge nocheinmal etwas genauer an, denn für den Mehrpreis möchte man auch etwas mehr. Betankt haben wir diese mit ASPEN 2T und sind dann zum Start vorgerückt, der Startvorgang war bei allen Problemlos und ging relativ einfach, nach max 5 Anwurfhüben liefen diese, Lautstärke war etwas höher als bei der 75 Eurosäge, dafür klapperte nichts und scheppern war auch nicht, Gasannahme war Perfekt und die Kettenbremse hielt auch, dann soll sie mal zeigen was sie kann, 40cm Weiden, schön nass waren da eine willkommene Hilfe. Der erste Eindruck war nicht schlecht, die Sägen zogen trotz weniger Leistung und doppelter Zähnezahl gefühlt besser durch das Holz, also erst mal weitersägen, bis der Tank leer ist, dann die Sägen auf die Motorbremse gespannt und messen. Der etwa 25 Jahre alte Messstand gab uns Recht, die Markengeräte spendierten uns etwas Mehrleistung als Angegeben, dies mag an der Messmethode liegen oder am Messstand.
Was die Lebensdauer anbelangt, bei Normaler Pflege sind 400 Betriebsstunden sicher kein Problem für die Markensäge. Bei einem Kandidaten konnte man auch eine deutliche Mehrleistung ablesen, obwohl diese schon erhebliche  Betriebsstunden geleistet hatte. Eine Passage müssen wir leider beim diesem Artikel auslassen,
nach jeweils ca 6 Stunden Einsatz im Brennholz, gab es bei KEINER Markenmaschine einen Ausfall oder Defekt, lediglich tanken und Ketten schärfen war angesagt, trotzdem möchte ich den Fall ansprechen, wenn beim Markengerät ein Defekt vorliegt, kann ein entsprechender Fachhändler in der Regel den Defekt direkt oder Kurzfristig beheben, Teile sind entweder am Lager oder innerhalb kürzester Zeit zu beschaffen, die meisten Händler haben für diesen Fall oft Vorführ oder Leihgeräte als Ersatzgerät für den Kunden bereitstehen , damit dieser weiterarbeiten kann. Ist das Gerät einmal in die Jahre gekommen, bekommt man in der Regel für ein 10 Jahre altes /junges Gerät immer noch Ersatzteile, oder entsprechende Umbausätze wenn sich Relevante Teile verändert haben (Kupplungen, Tankgehäuse, Vergaser, Zündanlagen etc.)
Um sich nun mal , die Reparaturkosten lassen wir nun mal aussen vor, die Kosten der Maschinen alleine auf die Betriebsstunden sehen kommen wir zu folgendem :

NoName (wir nehmen mal Großzügige 100 Bh)      75/100= 0,75 Euro pro Bh Markengerät:                                                            199/400= 0,4975 Euro pro Bh

dies sind reine Maschinenkosten, ohne Betriebsstoffe oder Reparaturen oder Wartungen, da bei der Markenmaschine ebenso etwas kaputt geht oder verschleißen kann, haben wir diese ersten Schäden mal als „Kinderkrankheit“ abgetan. Betriebsstoffe habe ich aus Gutem Grund nicht mit hineingerechnet, da ich keinen DIN oder SAE oder sonst irgendeinen Geeichten Prüfstand habe, ich würde aber trotzdem behaupten das der Verbrauch an Betriebsstoffen um 1/3 höher sind als bei einer Markenmaschine.

Eines bin ich nun dem Lesenden noch „schuldig“, wir hatten eingangs die Frage gestellt, wie kommen die „hohen“ Preise bei den Markengeräten zustande?
Ich versuche das ganze mal etwas mit meinen „Laienverstand“ aufzuklären, ich versuche es mal, da sich bisher (innerhalb von 8 Monaten ) kein Hersteller bereiterklärt hat, mir eine grobe Übersicht zur Verfügung zu stellen, trotz mehrmaliger Anfragen:

- Planung, Konzeption , welche Zielgruppe doll erreicht werden (Profi, Semiprofi oder der Hobbysäger)
- Design, was schmeichelt dem Auge und liegt gut in der Hand ?
- welche Technischen Lösungen , Alleinstellungsmerkmal lassen sich im Zusammenhang zu Alltagsgebrauch und      eventuellen Reparaturen am Sinnvollsten und Betriebssichersten vereinbaren ? (Werkzeuglose Tankverschlüsse, Leichtstart, Mehrteilige Motorabdeckung……)

- welche Materialien sollen an welcher Stelle zum Einsatz kommen? (auch ein Punkt der die Produktionskosten erheblich beeinflussen)

- verletzt man als Hersteller eventuell Patentrechte anderer Hersteller und muss deshalb einige Dinge  umkonstruieren? Wieder ein Punkt der erheblich Planung und Herstellungskosten in die höhe treiben.

- Herstellung und Konstruktion , oder Beschaffung von geeigneten Werkzeugmaschinen und Fertigungsstraßen
- Dokumentation (Zeichnungen zur Fertigung, ET-Dokumentation)
  fortlaufende Weiterentwicklung und Optimierung von Produkten


wenn diese und noch einige Punkte mehr in eine Säge eingeflossen sind, kosten die ersten Prototypen
schon 3-6 Millionen Euro , ohne das eine einzige Säge verkauft wurde.
Die bis dahin gebauten Prototypen laufen dann meistens erst 2-3 Jahre auf Prüfständen oder im Forst und gehen nach etlichen Veränderungen in Serie.

Ich hoffe ich konnte in diesem kleinen , vielleicht an einigen Stellen langweiligen, Text veranschaulichen, warum eine „Markensäge“ einiges mehr kostet, als die Rohstoffverschwendung vom fliegenden Händler.